Mitglieder des ELAN-Netzwerkes und der IGG-FAU besuchen die Landarbeiter:innen-Organisation Jornaleras de Huelva en Lucha (siehe hier). Hier teilt die Delegation Eindrücke und Gedanken.
Erste Eindrücke unserer Zeit bei den Jornaleras.
Die erste Woche, die wir mit den Jornaleras de Huelva en Lucha verbracht haben, war vielseitig und spannend. Wir haben einen guten Überblick über die Region bekommen: neben dem industrialisierten Beerenanbau ist Huelva ein Standort für weitere Industrien wie z.B. Ölraffinerie, Düngemittelproduktion, und Kupferabbau. Dies macht Huelva in vielerlei Hinsicht zur “zona de sacrificio”, zu einer Gegend, aus der auf unterschiedlichste Weisen Ressourcen schonungslos extrahiert werden. Mit dem Ausflug in den Nationalpark Doñana, Spaniens wichtigstem Feuchtgebiet, wollten uns die Genossinnen verdeutlichen, welche Artenvielfalt durch den intensiven Beerenanbau bedroht ist. Doñana ist ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel und das Zuhause von vielen gefährdeten Arten, wie z.B. dem Pardelluchs. Dieser bedeutungsvolle Lebensraum war 2022 komplett ausgetrocknet, da, zusätzlich zur klimawandelbedingten Trockenheit, zu viel Grundwasser durch Landwirtschaft und Tourismus entnommen wurde. Durch die extremen Regenfälle der letzten Wochen ist der Wasserstand zwar so hoch wie lange nicht mehr. Jedoch ist der Grundwasserspiegel weiterhin bedroht, nicht zuletzt durch illegale Brunnen, durch welche der steigende Wasserbedarf des Beerenanbaus gedeckt wird. Auch die Gegenden mit unzähligen Gewächshäusern gucken wir uns genauer an: Hier werden kilometerweit Erdbeeren , Heidelbeeren und Himbeeren unter Plastik und hinter Stacheldraht angebaut, oft mit Baracken und Containern als Unterkünfte für die Saisonarbeiter*innen direkt daneben. Wir treffen einige Arbeiter*innen und verteilen Infos auf Spanisch, Arabisch und Französisch.
Während unserer Fahrt durch die Anbaugegenden erläutert Ana von den Jornaleras uns die Geschichten von Arbeitskämpfen bei verschiedenen Betrieben und teilt Anekdoten aus den 14 Jahren Gewächshausarbeit, die sie hinter sich hat. Es wird deutlich wie konzentriert hier in der Region um Huelva verschiedene – aber in jedem Fall extreme – Formen von Ausbeutung aufeinander treffen: Ausbeutung der Umwelt sowie der Menschen, welche ineinander greifen und sich gegenseitig verstärken. Deshalb muss auch unser Widerstand ineinander greifen. Egal woher wir kommen und wo wir gerade leben, wir müssen zusammen stehengegen das kapitalistische System, das unsere Körper und Lebensgrundlagen ausbeutet bis sie zerstört sind.


