In vielen Städten beteiligten sich IGG-Mitglieder vom 7. bis 9. März an Demonstrationen, Kundgebungen und Streiks, blieben auf die eine oder andere Art Arbeit und Berufsschule fern und drückten ihre Solidarität mit der weltweiten feministischen Streikbewegung aus. Die FAU unterstützt dabei seit Jahren die Bemühungen um feministische und andere politische Streiks in Deutschland, unter anderem mit dieser Broschüre zur rechtlichen Situation.
Hier dokumentieren wir den Redebeitrag zweier Mitglieder der in mehreren Städten gehalten wurde:
Das Patriarchat macht müde – wir bleiben wach!
Liebe Mitstreiter:innen,
das Patriarchat macht müde. Das Patriarchat macht wütend. Das Patriarchat tötet.
Als queerfeministische Gewerkschafter:innen im Gemüsebau oder in der Landwirtschaft haben wir es mit einer Branche zu tun, in der Ausbeutung und Diskriminierung Standard sind. Wir haben es mit einer Branche zu tun, in der immer wieder nach starken Männern gerufen wird. In der wir nicht selber bestimmen können welche Aufgaben unsere sind, obwohl wir alle stark sind, auf verschiedene Arten und Weisen und alle auf unsere Bandscheiben achten sollten.
Eine Branche in der uns die Ohren vor blöden Sprüchen klingeln. Wir haben es mit einer Branche zu tun, in der Chef:innen mit klaren binären Rollenvorstellungen entscheiden, wer die Maschinen bedienen soll oder uns Aufgaben nicht zutrauen. In der wir häufig nicht ernst genommen, angeschrien oder voll-mansplaint werden, während gleichzeitig ein achtsamer Umgang mit der Umwelt, den Arbeitsmitteln, unserem Körper und unseren Kolleg:innen als unmännlich abgewertet werden, weil alle anderen Geschlechter in diesem Weltbild weniger Wert sind. „Sei kein Mädchen!“ heißt es dann zum Beispiel.
Das Patriarchat erleben wir als Initiative Grüne Gewerke täglich am eigenen Leib. Wenn wir wir für 540€ monatlich 40h die Woche arbeiten weil wir in Ausbildung sind, wenn wir dafür nicht einmal die versprochenen Lernräume bekommen, sondern wieder nur fegen, Kistenstapel oder Gemüse putzen sollen, wenn wir auf unsere cis-männlichen Kollegen als Unterstützung gegenüber den Chef:innen nicht zählen können, weil sie lieber nach unten treten. Weil sie sich über uns stellen und ihren Frust an uns auslassen, besonders wenn wir von Diskriminierungen betroffen sind und ihren Vorstellungen von weißer Männlichkeit nicht entsprechen.
Auch wenn unsere Löhne nicht prickelnd sind, ergeht es uns in der Regel noch besser als unseren migrantischen Kolleg: innen, die zur Zeit wieder massiven Angriffen auf ihren Lohn ausgesetzt sind.
So übernahm die CDU auf ihrem letzten Parteitag in Stuttgart geschlossen die Forderung des Bauernverbandspräsidenten Rukwied nach einer Mindestlohnsenkung für Saisonarbeitskräfte.
Als Feminist: innen müssen sich unsere Kämpfe gegen jede Form von Diskriminierung und Ausbeutung richten! Keine Mindestlohnsenkung für Saisonarbeitskräfte!
Die Gülle im Kopf unserer CDU Politiker:innen gehört auf eine ordentlich versiegelte Fläche wo kein Tropfen davon in das Grundwasser des gesellschaftlichen Diskurses sickern kann! Wir fordern 15€ Mindestlohn für alle Beschäftigten im Grünen Bereich!
Anstatt nach unten nach den Beschäftigten mit den längsten Arbeitstagen, den schlechtesten Löhnen und den meisten, oft tödlichen, Arbeitsunfällen zu treten, müssen die aussterbenden landwirtschaftlichen Betriebe endlich lernen nach oben zu treten – und wir müssen ihnen dabei auf die Sprünge helfen!
Als intersektionale Feminist:innen müssen wir historisch gewachsene Machtverhältnisse in Frage stellen. Wem Gehört der Boden? Wem gehört das Wasser? Wem gehört der Wald?
Während die Herrschenden in Höchstgeschwindigkeit daran arbeiten unsere Körper und diesen Planeten auszubeuten bis sie zerstört sind müssen wir uns mit emanzipatorischen Akteur:innen weltweit zusammenschließen und dagegen halten. Wie in Kolumbien wo gerade Kleinbäuer:innen von La Via Campesina über die Zukunft und Ernährungssouveränität reden. Wie in Rojava wo Genoss:innen mit dem Konzept des demokratischen Konföderalismus einen feministischen, emanzipatorischen und ökologischen Gesellschaftsentwurf verteidigen. Wie in Huelva und Almeria, wo unsere Genoss:innen für Arbeitsrechte in dem Plastikmeer aus Folientunneln kämpfen.
Gegen die Zerstörung, die Dominanz, die Ausbeutung. Globalize the struggle, globelize hope!


